Clax on Tour
Clax on Tour

11. Juni 2017 - Anreise nach Whitehorse im Yukon

Die Bahnfahrt nach Frankfurt verläuft an einem Sonntag (ja die Condor fliegt nur 1x in der Woche in den Yukon) so was von unspektakulär, dass wir weit vor der Zeit bereits unser Gepäck aufgegeben haben. Allerdings war das ein bisschen mit Fieberschüben verbunden, hatten wir in den letzten Jahren nie so viel dabei, wie bei dieser Tour.

Danach warten wir gar nicht so wirklich lange auf unsere Freunde Susi und Michael, die mit einem Zubringer-Flug aus Hamburg kommen, so dass wir gemeinsam die Reise antreten können.

Zwar fliegen wir mit einer Stunde Verspätung in Frankfurt ab, der Pilot kann den Rückstand aber fast reinholen, so dass wir mit nur wenigen Minuten Verspätung in Whitehorse landen. Das Einreiseprocedere verläuft verhältnismäßig schnell, allerdings warten wir eine ganze Weile, bis das Gepäck endlich über das Band kreist. Die Wartezeit verquatschen wir tatsächlich mit alten Bekannten meines Vaters (die Welt ist ein Dorf), die die nächsten 7 Wochen im Yukon mit dem Boot unterwegs sein werden – Chapeau !!!

Als wir gegen 18.00h mit dem Gepäck den Flughafen verlassen, können wir nach langer, langer Zeit endlich unserem alten Paddel-Freund Thomas in die Arme fallen (hab ich mich gefreut). Da er sich noch um Gäste kümmern muss, verabreden wir uns für später und lassen uns erst mal in die Unterkunft bringen.

Für die erste Nacht vor Ort haben wir uns für das Midnigt Sun B&B entschieden, da wir den Camper ja erst morgen übernehmen. Die Unterkunft ist eher zweckmäßig und um's Frühstück muss man sich selber kümmern – ist aber alles da, also brauchen wir uns morgen früh nur zu bedienen.

Nachdem wir ein wenig verräumt haben, bzw. die Regensachen ausgepackt habe (ja, es regnet in Whitehorse), marschieren wir los und gucken, ob wir was zu essen bekommen.

Bekommen wir und zwar im Klondike Rib & Salmon und sogar, ohne lange warten zu müssen. Ich rufe Thomas an, so dass er weiß, wo wir sind und so haben wir wenig später gemeinsam einen kurzweiligen Abend, bis dass uns so langsam die Augen zufallen. Wir laufen zurück, nicht aber ohne uns für morgen zu verabreden, denn egal was und wie… morgen Abend wird es heißen: 1. Campsite mit Familienanschluß.

12. Juni 2017 - Whitehorse Fahrzeugübernahme, Einkauf und Sightseeing

Mit nur einer klitzekleinen Wachphase bringen wir die erste Nacht hinter uns, frühstücken ganz gemütlich mit Ei, Toast und Kaffee in unserem B&B (Vorteil, wenn man‘s selber macht, es stört auch niemand) und packen anschließend schnell zusammen.

Superpünktlich steht unser Shuttle-Service von Fraserway vor der Tür und so stehen wir wenig später schon dort auf dem Hof.

Die Fahrzeugeinweisung läuft ziemlich zügig, schnell sind die wichtigsten Details gezeigt und die Schaltzentrale für ‘Schwarz‘ und ‘Grau‘ erklärt, wobei es sich hier ja um die Abwassertanks handelt, die von Zeit zu Zeit geleert werden müssen, was uns aber nicht unbekannt ist und so können wir nach einem weiteren Fahrzeugcheck den Hof bereits um 10.30h verlassen.

Unsere 1. Fahrt geht allerdings nur bis zu dem nahe gelegenen Real Canadian Superstore, indem wir gefühlt den Rest des Tages verbringen. Wir brauchen ungelogen fast 3 Stunden bis wir allen Kram zusammen haben und mit allem Kram meine ich 3 (in Worten drei) Einkaufswagen voll – O.K. wir sind ja schließlich zu viert. Anschließend decken wir uns noch im Liquor Store mit kanadischem Bier ein, bevor wir alles verräumen und dann endlich mal an den Fluss kommen – dem Yukon. O.K. das Wetter könnte ein bisschen besser sein (hören ständig, dass es vor 2 Tagen noch super war), aber wenigstens regnet es nicht. Wir gehen zunächst ins Visitor Center und statten anschließend Thomas‘ Frau Kelly einen Besuch ab, die neuen Geschäftsräume befinden sich seit gut 2 Wochen direkt gegenüber des Visitor Centers. Nachdem wir den Weg zum Haus und die Zeit für heute Abend geklärt haben, laufen wir zur ‘SS Klondike‘, einem am Ufer liegenden Raddampfer, wohl dem einst größte Schiff auf diesem Fluß. Da wir im 150sten Jahr von Kanada sind, sind in diesem Jahr alle Nationalparks ohne Gebühren frei zugänglich, hierzu gehört dann auch die Klondike und so zögern wir nicht lange, um den Raddampfer zu erkunden. Da wir bis zur verabredeten Zeit noch ein bisschen Zeit haben, fahren wir anschließend zum Ende des Schwatka Lakes. Die Idee war, die Fishladder zu besichtigen, aber die hat um diese Zeit bereits geschlossen (waaaas, ist doch noch hell), was allerdings nicht wirklich schlimm ist, denn die Lachse ziehen ja noch gar nicht. Ein weiterer Blick auf die Uhr sagt: es ist noch Zeit für einen Abstecher zum Miles Canyon und so befahren wir wenig später die gleichnamige Road. Wow, echt schön und nette Wanderwege gibt’s hier, aber dafür haben wir jetzt echt keine Zeit mehr. Wir machen ein paar Bilder und freuen uns über den ersten Biber, der aber ziemlich zügig von dannen schwimmt. So langsam sollten wir auch von dannen kommen, denn wir wollen noch raus aus Whitehorse, um unsere Verabredung einzuhalten und bis zum Haus unserer Freunde sind es von hier gut 30km. Klar, dass wir beim ersten Anlauf an der Einfahrt vorbeifahren und drehen müssen, fast noch klarer, das anschließende Manöver (Hände vor’s Gesicht)

Du warst zu oft in Afrika, wenn Du nach nem Wendemanöver auf der linken Straßenseite fährst, bis dir ein Fahrzeug entgegenkommt und du noch denkst: was macht DER auf meiner Seite.

Punkt 20 Uhr stehen wir auf dem Grundstück, parken die Autos so, dass wir für die Nacht einigermaßen gerade stehen und holen die Axt und ein erstes Bier raus. Auch wenn wir nicht auf Anhieb auf der richtigen Seite fahren können, Feuer machen geht noch, ist ja gelernt. Der ‘echte‘ Kanadier sagt allerdings: viiiiiel zu klein. Mit der ganzen Familie genießen wir bei Hamburgern & Co. vom Grill (Marshmallows natürlich auch) unseren ersten Abend draußen. Wir quatschen über die alten Zeiten, über aktuelle Dinge und was man sich sonst so zu erzählen hat, wenn man sich ewig nicht gesehen hat…                 viel zu schnell vergeht die Zeit.

Aber da sich das Wetter gut hält, tun wir es auch und zwar bis 2 Uhr in der Nacht, was sich allerdings wie Tag anfühlt und unser Jetlag nicht vergehen lässt.

Da wir morgen dann endgültig los wollen und uns am Ende der Reise nicht mehr sehen werden, verabschieden wir uns vorsichtshalber schon mal jetzt von den Beiden – es war mega nett!!!

Gefahrene Kilometer: 50 km 

13. Juni 2017 - von Whitehorse bis dahin, wo die Sonne scheint... Mayo

Zeitig sind wir auf den Beinen. Thomas ist allerdings bereits unterwegs und auch Kelly und die Kinder sehen wir nur noch von hinten, der Schulbus wartet nicht. Bis wir allerdings gefrühstückt haben und sortiert sind, ist es nach 9.00h. Susi und Michael haben noch nen Termin in Whitehorse und so können wir uns in Ruhe das nahe gelegene Yukon Wildlife Preserve ansehen. Bis wir bezahlt haben und rein können, dauert es ein wenig, da wir Mitten in einen Schwarm Birder geraten, die uns unbedingt davon überzeugen möchten, mit ihnen zu kommen… wir lehnen dankend ab und zockeln, nachdem wir uns für den Nieselregen präpariert haben, los. Wir haben Glück, denn es bleibt weitestgehend trocken, allerdings macht das Fotografieren bei bedecktem Himmel nur bedingt Spaß und so beschränken wir uns auf wenige Aufnahmen, genießen aber die riesengroße und wirklich tolle Anlage hier – genau das Richtige zum Eingewöhnen.

Gegen 13.00h gabeln die anderen Beiden uns wieder auf und los geht die Fahrt über den Klondike Hwy Richtung Norden. Wir wissen noch nicht genau, bis wohin wir fahren wollen, aber wir wissen, dass wir keinen Regen haben möchten. Der Wunsch geht in der ersten Hälfte unserer Fahrt allerdings nicht in Erfüllung und so fahren wir vorbei am Fox Lake, machen Regen-Kaffee-Pause an den Twin Lakes und lassen Carmacks hinter uns liegen.

Als wir gegen 15.45h die ‘Five Finger Rapids‘ erreichen, kommt tatsächlich die Sonne raus und so genießen wir, in der folgenden Stunde, nicht nur die grandiose Aussicht, sondern laufen auch die Treppe runter, um uns das ganze aus einer näheren Perspektive anzusehen. Auf der Weiterfahrt tanken wir in Pelly Crossing das erste Mal (tanken ist ja irgendwie immer spannend) und fahren dann hinter der Brücke in Steward Crossing rechts auf den Silver Trail Richtung Mayo. Sowohl die Zeit, als auch die Kilometer fliegen nur so vorbei und so sind wir erst gegen 20.30h an unserem spontan gewählten Ziel, dem Five Mile Lake, einem Yukon Government Campground hinter Mayo und greifen dort die letzten beiden Plätze ab. Mit nur 20 Plätzen überschaubar und nett am See gelegen, bietet er alles, was das Camper-Herz begehrt und so liegt ‘schon‘ eine Stunde später das Grillgut auf dem Teller. Wir klönen anschließend noch ein bisschen am Feuer und verschwinden gegen 23.30h in den Federn.

 Gefahrene Kilometer: 406 km                                                                                  Five Mile Lake (Mayo) – Yukon Government Campground 12CA$

14. Juni 2017 - wir schnuppern ein bisschen Abenteuer - Dempster Hwy.

Warm ist anders, als wir gegen 8.00h draußen am Frühstückstisch sitzen. Aber das Feuer brennt bereits und auch die Sonne kommt durch, so dass es ein herrlicher Morgen wird. Bevor wir aufbrechen, laufen wir noch mal zum See, machen die obligatorischen Bilder und testen die Wassertemperatur – gar nicht so kalt.

Gegen 9.00h fahren wir los, noch ein kleines Stückchen weiter gen Norden. Über Gravel geht es rauf nach Keno und von dort noch ein Stück weiter zum Keno Hill.

Wow, die Sicht von hier oben ist der Hammer. Was haben wir für ein Glück mit dem Wetter und so kommen wir auch erst gegen 13.00h wieder weg. Bevor wir aber so richtig Fahrt aufnehmen, machen wir noch einen Kaffee-Stop an dem See in der Nähe des Silver Trail Inn. Von hier fahren wir bis Steward Crossing, tanken noch mal und fahren dann weiter Richtung Dawson, bzw. dem Abzweig zum Dempster Highway. Nur kurz hinter der Moose Creek Lodge haben wir unsere erste Bärenbegegnung! Ein Grizzly, direkt an der Straße, Blümchen futternd. Wir sind ganz baff und können kaum glauben, dass er sich nicht von uns stören lässt und so stören wir ihn nach ein paar Bildern auch nicht mehr und fahren weiter.

Die nun folgenden 120 km sind, bis auf eine kleine Baustelle, recht ereignislos und so fangen wir Susi und Michael gegen 17.30h am Abzweig zum Dempster Highway wieder ein. Hier herrscht zum ersten Mal ein bisschen ‘Mossi-Alarm‘, so dass wir unsere Fahrt erst nach einer kleinen Schutzmaßnahme fortsetzen. Wir halten allerdings ein wenig Abstand, denn der Dempster Hwy. staubt ganz schön, was für die Sicht auf die wunderbare Landschaft eher suboptimal ist. Auch finden wir den Anfang des Dempster zunächst nicht so spektakulär, das ändert sich aber, wenn man erst mal weiter eintaucht und je weiter man gen Norden fährt, desto mehr nimmt einen die aride Landschaft ein.                   Beim nächsten mal vielleicht auch uns, den diesmal geht’s ja nur bis zum Tombstone Territorial Park.

Nach rund 70 km haben wir dann gegen 19.30h unser Ziel für heute erreicht, den Tombstone Mountain Yukon Government Campground und obwohl dieser mit 58 Plätzen schon zu den größeren gehört, ist er bis auf wenige Plätze schon belegt. Wir finden aber noch zwei Plätze, die bei einander liegen und so lassen wir wenig später den Tag gemütlich ausklingen. Feuer gibt’s natürlich auch wieder und da wir einen nicht enden wollenden Vorrat an Burger-Patties haben, stellt sich die Frage nicht – es gibt noch mal Hamburger.

Gefahrene Kilometer: 394 km                                                                       Tombstone Mountain – Yukon Government Campground

15. Juni 2017 - vom Dempster nach Dawson

Auch wenn es nicht gerade warm ist, frühstücken wir draußen und machen uns anschließend startklar, wollen wir doch ein Stück laufen.                                           Zunächst aber laufen wir in das nahe gelegene Visitor Center und decken uns mit ner Karte und ein paar Informationen ein. Direkt von der Campsite aus gibt’s nen kleinen Trail (North Klondike) über den kommt man, am Fluss entlang zu einem Schnee-/Eisfeld, dass lt. Aussage der Dame im Info Center noch recht groß für die Jahreszeit ist. Nach ca. 30 Minuten haben das Ende des Eisfeldes erreicht und toben uns ne ganze Weile aus, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Schließlich wollen wir heute noch bis Darwin und obwohl das nicht so weit ist, haben wir einiges auf der Agenda. Bevor wir unseren kleinen Ausflug in den Tombstone Territorial Park beenden, steht der Viewpoint noch auf dem Programm, eine herrliche Kulisse, an der wir uns kaum sattsehen können. Nicht weit von hier startet ein kleiner Trail, da es sich aber so langsam zuzieht, beschließen wir, im Gegensatz zu den anderen beiden, diesen nicht zu laufen und nehmen uns stattdessen den Beaver Trail direkt am Fluss vor. Sehr schön, allerdings ohne Biber, was der Sache aber keinen Abbruch tut.

Gegen 12.30h brechen wir dann endgültig auf. Schön war’s hier, ein Abstecher, der sich auf jeden Fall gelohnt hat und auch bei der Fahrt zurück zum Klondike Hwy. kommt uns die Landschaft viel imposanter vor, als gestern bei der Anreise. Der Dempster lässt sich allerdings auch ein bisschen besser befahren, da er frisch bewässert wurde. Dass der Wagen, durch das Wasser/Salz Gemisch, total einsaut lässt sich hierbei nicht vermeiden.

Nur 1½ Stunden später stehen wir an dem Ortsschild von Dawson, machen das obligatorische Foto und fahren weiter… auf die Bonanza Creek Road. Jetzt wird’s ein bisschen Dmax lastig, denn wir kommen in die Gegend der Goldschürfer und ja, sie schürfen immer noch. Wir fahren also die Bonanza Creek Road hoch, bis wir an die Dredge Nummer 4 kommen, zu einer Führung in französischer Sprache können wir uns allerdings nicht aufraffen und so belassen wir es bei ein paar Fotos uns fahren wieder zurück. Es sieht ein wenig aus, wie in den MadMax Filmen, die ganze Gegend ist sowas von zerwühlt und umgegraben. Einen kleinen Fotostopp legen wir noch beim Claim 33 ein, dann fahren wir weiter. Für unser nächstes Zwischenziel haben wir uns den Midnight Dome vorgenommen und da das Wetter gerade passt, ist die Sicht von hier oben auf Dawson echt beeindruckend. Man sieht nicht nur die ‘Stadt‘, sondern auch den Zusammenfluss von Yukon und Klondike, deren Farben total unterschiedlich sind. Susi und Michael stoßen auch wieder dazu und so genießen wir bei nem Kaffee die Aussicht.

Es ist bereits 17.00h als wir wieder unten sind und zunächst einmal Tanken und zum 1. Mal ‘dumpen‘… das heißt unsere Schmutzwasser-Tanks leeren und Frischwasser auffüllen, bevor wir das Abenteuer ‘Fähre‘ angehen. Da wir die kommende Nacht auf dem Yukon Government Campground verbringen möchten, haben wir beschlossen, zunächst die Autos mit der Fähre auf die andere Seite zu bringen (ne Brücke gibt’s hier ja nicht) uns eine nette Campsite zu suchen und nach dem Essen ohne Autos mit der Fähre wieder nach Dawson zurück zu fahren. Da immer nur max. 2 RV’s auf die Fähre gehen, kommen wir erst mit der 2. Fähre rüber. Der Campground ist allerdings direkt in der Nähe und so haben wir wenig später zwei wunderbare Plätze. Da wir ja nicht allzu spät wieder los wollen, brennt bereits um 18.45h das Feuer… und so stehen wir, nach dem Essen, exakt 2 Stunden später wieder auf der Fähre um in den darauf folgenden Stunden so ziemlich jede Straße von Dawson abzulaufen und zu fotografieren, was vor die Linse kommt. Echt praktisch dabei ist, dass es ja nicht richtig dunkel wird uns so gelingen auch nach 22.00h noch Bilder mit 160er Iso.

Gegen 23.30h sind wir allerdings auch wieder zurück und nach einem Schlummitrunk dann irgendwann auch in den Federn. Wow, das war wirklich ein beeindruckender Tag heute und wir sind sehr gespannt, was uns morgen, auf dem ‘Top of the World‘ Highway erwartet…

Gefahrene Kilometer: 165 km                                                                                 Yukon River – Yukon Government Campground

16. Juni 2017 - Top of the World Hwy. - von Dawson nach Tok

Nachdem wir heute mal bei angenehmen Temperaturen draußen gefrühstückt haben, ziehen wir gegen 9.00h los und sehen uns den Friedhof der Raddampfer an. Praktischerweise liegt der genau hinter dem Campground, so dass er mit einem kurzen Fußmarsch zu erreichen ist.

Nach der Stunde sind wir mit dem Schrott allerdings durch, so dass wir uns so langsam auf den Weg machen. Es geht über den Top of the World Highway über die Grenze nach Alaska und dann nach Tok. Zunächst halten wir aber etwas oberhalb und haben einen letzten Blick auf Dawson im Gegenlicht. Im weiteren Verlauf der Strecke haben wir wunderbare Aussichten, die Strecke lässt sich gut fahren und es ist nicht viel los. Wir brauchen ca. 2 Stunden bis zur amerikanischen Grenze. Das Procedere dort ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber wir beantworten alle gestellten Fragen mit Nein, müssen noch mal persönlich vorstellig werden und dürfen, obwohl bereits von zu Hause beantragt, noch mal Esta beantragen und bezahlen, denn, so wird uns gesagt, das andere wäre nur für die Einreise auf dem Luftweg gültig– naja, gut zu wissen.                                         Wir setzen unsere Fahrt fort, über einen nun asphaltieren Taylor Highway, denn so heißt der Highway ab der US Grenze.

Nächstes Ziel: Chicken, hört sich komisch an, ist aber so. Wieder mal so eine Goldgräberhochburg mit ziemlich viel Schrott, der sich prima fotografieren lässt. In Chicken selber wird gerade der Highway neu gemacht, daher haben wir erst mal ein bisschen Wartezeit, bevor es weitergeht. Obwohl die Strecke schön ist und die Landschaft echt beeindruckend, zieht es sich irgendwann doch hin. Echte Abwechslung bringt kurz bevor wir den Alaska Highway erreichen, der erste Elch. Bis Tok geht es dann ziemlich schnell, so dass wir gegen 17.00h dort sind. Zunächst decken wir uns mit ein paar frischen Lebensmitteln ein, dann tanken wir den Wagen wieder voll und zu guter Letzt, fragen wir auf einem der Campgrounds im Ort, ob wir den Wagen dort waschen dürfen. Dürfen wir und so zögern wir nicht lange und befreien den Boliden von der Salzkruste des Dempster Highways.

Nachdem alle notwendigen Dinge erledigt sind, fahren wir noch ein Stück weiter, denn direkt in Tok wollen wir nicht campen. Ein paar Meilen weiter kommen wir zum Moon Lake und dem gleichnamigen Campground. Wunderschön am See gelegen, wird dies unser heutiges Etappenziel. Es möchte zwischendurch zwar mal ein bisschen nieseln, aber das ignorieren wir und so bleibt der restliche Abend weitestgehend trocken mit einem wunderbaren dramatischen Himmel. Auf dem Grill landen Lachs und Steak und leckere Beilagen und mit dem ein oder anderen Bier sind wir bis gegen 0.00h auf den Beinen.     Es ist aber auch zu schön hier.

Gefahrene Kilometer: 329 km                                                                                       Moon Lake State Campground – Mile 1332

17. Juni 2017 - vom Moon Lake zu den Tangle Lakes (am Denali Hwy)

So schön, wie der gestrige Abend zu Ende ging, so schön fängt der Morgen an. Das Wetter ist prima, der See liegt herrlich ruhig vor unserer Tür und auch das ein oder andere kleine Tier lässt sich zum Frühstück blicken.

Etwas später als sonst brechen wir auf, ist ja auch wirklich schwierig, bei so einer schönen Kulisse. Wir fahren den Alaska Hwy. bis nach Delta Junction. Kurz vor Delta legen wir einen kurzen Zwischenstopp bei Delta Meat and Sausage ein, decken uns dort ein wenig mit Fleisch und Wurst ein und fahren weiter. In Delta Junction selber, wird erst mal getankt und dann ein kurzer Blick ins VisitorCenter geworfen. Da der Farmer’s Markt nebenan sich als, naja sagen wir mal kleiner Flop herausstellt, fahren wir weiter. Allerdings nicht nach Fairbanks, sondern nehmen den Richardson Highway in Richtung Paxon, denn dort zweigt der Denali Hwy. ab und das wird unser heutiges Ziel.

Auch wenn uns das Wetter kurz vor Delta im Stich gelassen hat, genießen wir die herrliche Landschaft entlang der Alaska Range. Schneebedeckte Berge begleiten uns bei sich ständig veränderndem Himmel – Drama lässt grüßen. Auf der Strecke sehen wir auch immer wieder die Trans-Alaska Pipeline und so steigen wir zwischendurch auch mal für das obligatorische Foto aus. Die Pipeline verläuft von Deadhorse ganz im Norden nach Valdez, wo wir in ein paar Tagen vielleicht auch das Ende der Pipeline sehen werden.

Zu sehen bekommen wir auch eine Elchkuh mit zwei Kälbern, die direkt neben der Straße durch den Matsch läuft, sich aber nach ein paar Minuten in die Büsche schlägt und so fahren wir weiter. Am nächsten See, der nächste Elch… leider geht es aber nicht so weiter.

Gegen 15.30h erreichen wir den Isabel Pass mit der Aussicht auf den Gulkana Gletscher. Von hier geht’s, vorbei am Summit Lake, bis nach Paxson (hier hat’s noch nicht mal ne Tanke). Der Summit Lake ist im Sommer eine Oase für Angler, im Winter wohl für Ski-Begeisterte, denn nicht umsonst findet hier das ‘Annual Arctic Man Ski & Sno-Go Classic‘ statt.

In Paxson biegen wir auf den Denali Hwy. ab und nach ein paar Meilen Asphalt haben wir dann Schotterpiste unter den Reifen. Allerdings haben wir es nicht mehr wirklich weit, denn übernachten werden wir heute am Tangle Lakes BLM Campground. Sehr schön direkt am See gelegen und mit seinen 45 Plätzen auch gut besucht. Wir können den Host ein wenig bequatschen und bekommen die Gruppen Campsite (2 sind doch auch ne Gruppe). Da es noch keine 17.30h ist, gibt’s erst mal nen Kaffee. Der allerdings ist von gemütlich ganz weit weg, da es sich ziemlich zugezogen hat und auch sehr windig ist. Es wird aber nicht schlechter und so beschließen wir, noch ein Stückchen zu laufen. Direkt vom Campground aus gibt’s nen Weg hoch mit einer wunderbaren Aussicht auf den See und die Umgebung. Auch den Denali Hwy. und den Campground sieht man von hier oben und so sehen wir, wie eins, zwei, drei, nein vier, oder fünf… ich kürz mal ab, es sind tatsächlich 12 Wohnmobile der größeren Sorte die wie am Schnürchen über den Hwy. auf den Platz rollen und uns ist sofort klar, dass der Host seine Entscheidung, uns den Gruppenplatz zu geben, schwer bereut. Da wir aber nicht da sind, können wir da ja jetzt auch nichts machen uns setzen unsere kleine Wanderung unbeirrt fort. Es ist aber auch zu schön und das Wetter macht auch keine Faxen.

Gegen 20.30h sind wir zurück und erlösen den Host erst mal mit unserem Angebot, die Autos zusammen zu stellen, so dass er noch ein bisschen mehr Platz zur Verfügung hat. Im Nachhinein gar nicht nötig, aber besser war’s allemal, so haben wir heute Abend keine weiten Wege zwischen den Autos, denn obwohl sich das Wetter hält, beschließen wir mal nicht zu grillen und so bleibt das Feuer aus und die Pfanne wird angeschmissen. Es gibt Encheladas. Bis die allerdings auf dem Teller sind, ist es schon wieder 22.00h – laaaanger Tag also.

Zwei Bier später sind wir dann aber auch in den Federn. Die ganze Nacht über scheint die Sonne in den Camper, irgendwie ja schön, aber man verliert auch ein wenig das Zeitgefühl.

Gefahrene Kilometer: 312 km                                                                              Tangle Lakes BLM Campground (M21.5 Denali Hwy.)

18. Juni 2017 - von Tangle Lakes zum Denali National Park

So spät wir auch im Bett waren, so früh sind wir auch wieder auf den Beinen. Zumindest für ein Foto, denn die Sonne scheint umwerfend schön über den See und nur wenig später sehen wir eine Elchkuh mit zwei Kälbern durch den See schwimmen. Die Bilder davon sind aber mehr was für die Dokumentation und so legen wir uns dann um 6.00h noch mal für ne Weile hin. Wir frühstücken gemütlich, fotografieren noch ein paar Biber und kommen schlussendlich erst wieder gegen 10.00h weg. Das Wetter hält sich zunächst, auch wenn dicke Wolken ziehen und es ziemlich windig ist. Am Maclaren Summit halten wir für einen Rundumblick, für eine Wanderung von hier ist leider die Zeit zu knapp und so fahren wir weiter bis wir wenig später den Maclaren River überqueren. Die Landschaft ist wunderschön, die Gravelroad lässt sich im Verhältnis gut fahren, nur das Wetter wird immer schlechter und so fängt es auch bald an zu regnen und wird neblig trüb. Schade eigentlich, denn bei tollem Wetter ist das hier ein echter Augenschmaus. So aber wird’s leider irgendwann auch ein bisschen langweilig. Trotz des Regens halten wir aber an der ein oder anderen Stelle, versuchen im Dunst einen der Gletscher zu erspähen und wundern uns, wie man bei diesem Wetter mit zwei kleinen Kindern mit dem Rad und nur ner Plane (kein Zelt) unterwegs sein kann.

Gegen 14.30h sehen wir Licht am Ende des Tunnels, soll heißen die Sonne kommt tatsächlich wieder zum Vorschein und so nutzen wir das für einen Kaffeestop am See. Nach ner halben Stunde fahren wir aber weiter und kommen wenig später in Cantwell auf den Parks Highway. Dieser bringt uns in nördlicher Richtung zum Denali National Park, unserem heutigen Ziel. Allerdings kommen wir erst mal nicht weit, denn direkt am Hwy steht ein Elch und da können wir ja nicht dran vorbei. Ein paar Aufnahmen später geht’s dann weiter. Wir fahren zunächst am Eingang des Denali NP vorbei, passieren die zum Denali gehörenden Shops/Restaurants/Hotels, etc. denn unser nächster Zwischenstopp wird Healy sein, dort steht ein Bus, einer der bekannt wurde durch seinen Bewohner, bzw. dieser Bus ist wohl ein Replikat des Originals, der am Rande des Denali NP stand und in dem der Aussteiger (aka Alexander Supertramp) im April 92 Zuflucht vor Wind und Wetter gesucht hat, bis man ihn im August 92 gefunden hat. Leider hat er seinen Ausstieg nicht überlebt und die Spekulationen über sein Ende wurde sogar von Sean Penn verfilmt – ‘into the Wild‘ nach der gleichnamigen Reportage. Irgendwie spannend, aber auch irgendwie tragisch.

Praktischerweise steht der Bus auf dem Gelände der 49th State Brewing Company und so gehen, nach kleiner Kostprobe, zwei der Liter-Dosen in unseren Besitz über, yummi, nur zu empfehlen, so wie auch das Essen hier, Burger & Fries, die so lecker aussehen, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Wir hätten diesen Abstecher besser planen sollen.

Gegen 17.00h brechen wir auf, schließlich wollen wir ja noch im Denali ankommen und das tun wir eine viertel Stunde später. Das Procedere beim Check-in ist etwas langwierig, es ist gerade auch nur eine Dame vor Ort, aber als die zweite auftaucht, wird’s nicht nur besser, sondern gut, denn sie weiß sofort wer wir sind und dass unsere Freunde schon alles geregelt und bezahlt haben und wir nur hinterher zum Savage Campground fahren müssen. Das tun wir dann auch, treffe Susi und Michael nur wenig später an der Straße und verabreden uns auf der Campsite. Dort angekommen gibt’s zunächst ein bisschen Verwirrung. Da auf dem Check-in Zettel was anderes steht, als unser Host glauben möchte, aber irgendwann haben wir nen schönen Platz und bevor wir uns gehen lassen, gehen wir lieber noch mal. Soll heißen, wir laufen zum Savage River und genießen die Umgebung, machen ein paar schöne Bilder und können ganz zum Schluss noch ein kleines Stücken von ihm sehen, dem Denali. Wir sind begeistert und freuen uns umso mehr auf die für morgen geplante Bustour durch den Denali National Park. Gegen 21.00h sind wir zurück auf der Campsite und machen uns was auf die Gabel.                       Wann wir genau im Bett waren… ? man weiß es nicht, aber: es war noch hell ?

Gefahrene Kilometer: 287 km                                                                                       Savage Campground – Denali National Park

19. Juni 2017 - Bus Tour im Denali National Park

Früh klingelt der Wecker, denn schließlich haben wir einen der frühen Busse durch den Denali Park gebucht. Dieser bringt uns im Laufe des Vormittages bis zum Eilsen Visitor Center.                                                                                                           Eigentlich soll es gegen 7.30h losgehen, eigentlich, denn aus gutem Grund (Elch an der Straße) verspätet sich der Bus und so besteigen wir etwas verspätet den selbigen vor dem Campground am Savage River in Richtung Visitor Center. Die nächsten knapp 4 Stunden fahren wir über die einzige Straße in den Denali Nationalpark. Angehalten wird an den dafür vorgesehenen Tö-Stopps, der Aussicht wegen und natürlich bei Tieren.           Davon bekommen wir reichlich zu sehen, wobei die Tiere häufig in so weiter Ferne sind, dass es nur für ein Beweisfoto reicht. Dall-Schafe, Caribous, Bären und allerhand Kleinkram. Am meisten freu ich mich über die Sichtung eines kleinen Pikas, ärgere mich aber, dass ich auf die Schnelle kein gescheites Foto hinbekomme. Auch die Landschaft ist einmalig, wir haben aber auch Sahne mit dem Wetter und können immer mal wieder den Mt. Denali sehen.

Bis wir aber das Eilsen Visitor Center erreicht haben und den perfekten Blick überhaupt erhaschen könnten, haben sich die üblichen Wolken bereits wieder über dem Gipfel versammelt. Das System der Bus-Touren läuft ein bisschen wie ‘Hop on – Hop off‘, so könnte man ab dem Visitor Center wandern und einen späteren Bus zurück ins Tal nehmen. Machen wir aber nicht und so sitzen nach einer ausgiebigen Pause gegen Mittag wieder im Bus und sind auf dem Rückweg.

Diesmal halten wir nicht an jeder Ecke, steigen aber auch nicht am Campground aus, sondern fahren die knapp 13 Meilen bis zum Wilderness Infocenter durch. Hier genehmigen wir uns erst mal einen Kaffee, bevor wir zu einer kleinen Wanderung am Horseshoe Lake aufbrechen. Weit kommen wir nicht, denn an der Straße steht bereits eine Elchkuh mit zwei Kälbern. Als die im Wald verschwindet laufen wir weiter. Schon von oben haben wir einen ersten Blick auf den See und sehen einen weiteren Elch, der gemütlich im See badet, bzw. frisst. Das macht er auch noch ne ganze Weile und lässt sich so gar nicht stören. Als er verschwindet gehen wir weiter und umrunden den See. Tatsächlich erscheint die Kuh mit den Kälbern von der Straße wenig später am See und so haben wir auch hier noch mal die Gelegenheit auf ein paar schöne Bilder, bevor wir die Runde um den See beenden. Wir laufen von hier bis zum Denali Visitor Center, um von dort einen Bus Richtung Savage River CG zu nehmen. Da uns gerade einer vor der Nase weg fährt, müssen wir ne Weile auf den nächsten warten und so ist es, bis wir dann wieder zurück am Camper sind, schon wieder spät. Es gibt daher nur was Schnelles auf die Gabel und mit nem Schlummitrunk lassen wir den Tag nochmal Revue passieren.

Die Bustour hat sich auf jeden Fall gelohnt, kann man auf eigene Faust, bzw. mit eigenem Wagen eh nicht durch den Park. Allerdings fehlt mal wieder ein wenig die Zeit für eine ausgedehnte Wanderung, wenn man nicht noch eine zusätzliche Nacht einplant.

(selber) Gefahrene Kilometer: 0km                                                                               Savage River Campground – Denali NP

20. Juni 2017 - vom Denali NP zum Eklutna Lake

Was hatten wir für ein Glück mit dem Wetter gestern. Das sieht heute ganz anders aus und so frühstücken wir zunächst im Camper, bevor wir uns dann gegen 9.00h auf den Weg machen. Zu gerne hätte ich noch die Sledge Dog Kennels im Denali besucht, aber dort ist erst um 10.00h die erste Vorführung und so lange warten wollen wir dann jetzt doch nicht.

Unser Plan für heute, ist Fahrt über den Hatcher Pass zur Independence Mine bei Palmer. Während die anderen schon mal vorfahren, wollen wir in Denali noch tanken, aber hier gibt’s kein Diesel, also fahren wir den Parks Highway gen Süden und tanken in Cantwell den Wagen voll (ne Quittung gibt’s hier nicht, da kein Papier, aber das stört nicht weiter)

Etwas später steuern wir einen der Viewpoints an, von dem man bei guter Sicht den Denali sehen kann. Da wir weder gutes Wetter, noch gute Sicht haben, ist vom Berg natürlich auch nichts zu sehen und so fahren wir weiter, sehen uns noch kurz ein Veteranan Denkmal an bevor wir in Trapper Creek bei ‘Wal*Mike‘s‘ vorbeifahren. Wir drehen, fahren zurück und haben gleich das Gefühl in einer Dmax Serie gelandet zu sein. So skurril, aber auch faszinierend – was für ein Haufen Schrott hier rumliegt, nichts, was es nicht gibt. Allerdings haben wir auch ein Anliegen, denn irgendwie fehlt für eines der Stative ein Innensechskant. Und ausgerechnet den hat Mike nicht, obwohl er sehr bemüht ist. Nun gut, wir werden wohl noch fündig und fahren weiter.

Kurz vor Willow kommt dann der Abzweig zum Hatcher Pass. Was wir aber bereits befürchtet haben, er ist noch gesperrt und somit bleibt uns die Fahrt verwehrt. Mit Plan B bereits im Kopf fahren wir weiter nach Wasilla, stocken dort bei Fred Meyer unsere Lebensmittel ein bisschen auf, gönnen uns ne Kaffeepause und fahren dann über Palmer zu Independence Mine. Hört sich jetzt nicht weit an, aber bis wir am Eingang stehen, ist es bereits 17.00h.

Dicke Nebelsuppe zieht durch die Mine und deren Ruinen, aber wir haben Glück, denn der Regen, der uns über Tag begleitet hat, macht gerade Pause. Die nächsten 1½ Stunden laufen wir kreuz und quer durch das Gelände und an Motiven mangelt es wahrlich nicht.

Jetzt wird es aber auch langsam Zeit, Richtung Eklutna zu fahren, am gleichnamigen See, im Chugach State Park, sind wir mit den anderen zum Übernachten verabredet und bis dorthin brauchen wir, da er Abseits vom Glen Highway liegt, noch mal ne gute Stunde.

Die Campsite ist schön, allerdings ein wenig Dunkel, was natürlich auch dem Wetter geschuldet ist. Auch der See, der eigentlich ein Damm ist wirkt mit seinem dunklen Sand wenig verlockend. Allerdings haben wir unsere Augen auch immer auf den Waldrand gerichtet, befinden wir uns doch hier in 1a Bärengebiet, da kann man auch schon mal nen abgestorbenen Baum für einen Bären halten.

Trotz des Wetters lassen wir uns nicht davon abhalten, Feuer zu machen und ein paar Leckereien auf den Grill zu schmeißen. Heute gibt’s Lachs und den erst wieder um kurz vor 22.00h – denn auch das trübe Wetter hält uns nicht davon ab die Nacht zum Tag zu machen.

Gefahrene Kilometer: 449km                                                                              Eklutna Lake Campground

21. Juni 2017 vom Chugach State Park bis auf dei Kenai Halbinsel

Am Morgen ist es trüb, aber es regnet nicht, dennoch frühstücken wir drinnen und machen uns irgendwann auf den Weg. Wir fahren die Eklutna Lake Road zurück zum Glen Highway und wundern uns, dass viele der Mülltonnen, die an der Straße stehen umgekippt und durchwühlt sind, müssten die Anwohner es nicht besser wissen.

Auf den Zwischenstopp an den Spirit Houses in Eklutna verzichten wir, da das Licht nicht gut genug ist und so fahren wir auf direktem Weg nach und durch Anchorage, was weder eine Herausforderung darstellt, noch wirklich interessant auf uns wirkt. Hinter Anchorage allerdings interessieren uns die Potter Mash und so biegen wir ab und laufen eine Weile über die Holzstege und versuchen, den ein oder anderen Vogel zu identifizieren. Ein Paradies für Birder. Gegen 10.30h fahren wir weiter, sind wir doch sehr gespannt, was der Turnagain Arm so zu bieten hat. Leider außer trübem Wetter und wenig Wasser (es ist Ebbe) nicht viel, dennoch halten wir an fast jedem Outlook. Bei tollem Wetter bestimmt eine irre Sicht und tolle Fotomotive und Beluga Wale soll es hier ja auch ab und an geben. Die Bird Creek Day Use Area ist aktuell wg. Bärenwarnung gesperrt und so nehmen wir, nachdem wir noch getankt haben, mit dem Bird Point Scenic Overlook vorlieb. Dieser hat uns von allen am besten gefallen. Bei der Weiterfahrt machen wir einen Abstecher über den Alyeska Highway nach Girdwood. Sowas wie die Ski-Hauptstadt von Alaska, die mit so schmissigen Straßennahmen wie Arlberg, Apsen, Davos, Cortina, etc. aufwartet.

Auf dem Weg dorthin biegen wir zur Crow Creek Mine ab. Sehr schön, wenn auch schön touri. Wir laufen zwar noch bis zum Fluss, aber für die Wanderung des Winner Creek Trail können wir uns bei dem Wetter nicht aufraffen. Girdwood selber ist wie ausgestorben. Bei schönem Wetter lohnt sich wohl auch eine Gondelfahrt auf den Berg mit toller Aussicht. Da wir beides nicht haben, nehmen wir unser Alternativ-Programm in Angriff und fahren Richtung Whittier.

Da Whittier nur über einen schmalen Tunnel, der auch von der Railway genutzt wird, zu erreichen ist, ist die Befahrung über ein strenges Zeitmanagement geregelt. Wir dürfen den Tunnel in Richtung Whittier um 14.30h nutzen und so ziehen wir uns ein Ticket und verbringen die Wartezeit mit einem Kaffee und nem netten Plausch mit den anderen Wartenden. Whittier selber erwartet uns mit dem gleichen schlechten Wetter und nicht unbedingt Hollywood Kulisse, obwohl… wenn man sich das Buckner Building (einst das größte Gebäude Alaskas) ansieht, kommt man sich schon vor, wie bei 007 – ne hässliche Bude, die nur noch dazu taugt, in die Luft zu fliegen.

Wir drehen eine Runde, gönnen uns Fish’n Chips und beobachten ein bisschen das Treiben im Hafen, bevor wir den Tunnel-Slot für 16.00h zurücknehmen.

Zurück heißt in dem Fall erst mal nur bis Portage, denn dort sehen wir uns das Alaska Wildlife Conservation Center an. Hier gibt's u.a. ein Wiedereingliederungsprojekt für Bisons in Alaska und auch ein paar Bären, die in Gefangenschaft groß geworden sind, oder durch unglückliche Umstände nicht in der Wildnis überleben können. Das Ganze hat Wildpark-Charakter und die Gehege sind wirklich schön und groß und wenn man Bären, Elche & Co. nicht überdrüssig ist, auf jeden Fall nen Besuch wert.

Gegen 18.30h kommen wir los und nach nur wenigen Meilen erreichen wir das Hinweisschild zur Kenai Halbinsel, hier werden wir die nächsten Tage unser Unwesen treiben. Zunächst aber suchen wir uns ein Plätzchen zum Übernachten und so steuern wir den Granite Creek Campground an. Ein super schöner Platz, direkt am Fluss, und abgesehen vom Wetter, ein Traum.

Bei Dauer-Niesel-Regen verzichten wir heute mal auf Feuer und nutzen stattdessen die Zeit zum Sichern unserer Bilder.

Gefahrene Kilometer: 230 km                                                                               Granite Creek Campground (hier lebt der Camp-Host in Tepee)

22. Juni 2017 - Kenai Halbinsel - über Soldotna nach Homer

Die Luft ist feucht, es hat die ganze Nacht immer wieder geregnet. Da es aber gerade trocken ist, nutzen wir die Gelegenheit und erkunden ein wenig die Gegend hier am Granite Creek. Doch es wird auch Zeit aufzubrechen, denn wir wollen bis Homer und haben noch einiges auf unserem Zettel. Als erstes halten wir am Sixmile Creek, schöne Rafting Strecke, aber nicht ohne. Wenig später erreichen wir am Kenai Lake die Einsatzstelle für Rafter und Angler, die hier ihre Boote zu Wasser lassen. Bei Cooper Landing bekommen wir davon die volle Ladung zu sehen und wir glauben zunächst, dass es sich hier um einen Angelwettbewerb handelt – nein, die Angler stehen hier immer im Fluss (und wir haben noch nicht mal Wochenende). Auch die Campgrounds hier sind mehr als voll. Was machen die hier nur in der Hochsaison?

Wir verlassen den Sterling Highway und nehmen die Silak Lake Loop Road. Herrliche Ausblicke und tolle Landschaften erwarten uns hier, so dass wir das ein oder andere Mal halten; auch Bären soll es hier geben, aber damit haben wir ja i.d.R. nicht so ein Glück, so auch jetzt.

Im Dunstkreis von Soldotna ziehen wir zum ersten Mal ein bisschen Bargeld, da wir für die morgige Tour nicht mit Karte zahlen können. Soldotna selber umfahren wir, da wir den Abzweig nach Kenai nehmen. Hier schaffen wir es dann auch endlich, nen Imbusschlüssel für das Stativ zu besorgen, bevor wir uns die Russisch-Orthodoxen Kirchen ansehen.

Bei der Weiterfahrt nehmen wir die Kalifornsky Beach Road und kommen gegen 14.30h in Ninilchik an. Dort treffen wir auch, nach dem wir gestern unterschiedliche Touren gefahren sind, Susi und Michael wieder. In Ninilchik steht die wohl bekannteste der Russisch-Orthodoxen Kirchen hier in der Region und so machen wir natürlich ein paar Bilder, bevor es weitergeht. Treffpunkt ist Homer, bzw. der Homer Spit.

Etwas unplanmäßig und spontan machen wir noch einen Abstecher zum Anchor Point, dem “Home of the most Westerly Hightway in North Amerika“                                 'Laida' war der ursprüngliche Name, den James Cook in 1778 vergeben hat

Was uns hier erwartet, damit haben wir nicht gerechnet, denn hier gibt’s unendlich viele Weißkopfseeadler und da sie hier die Überreste der Fischer, bwz. deren Beute abgreifen, ist wird so richtig was geboten, wow.

Gegen 16.30h erreichen wir Homer, treffen die anderen am Spit wieder und beziehen erst mal die Campsite, die die beiden schon reserviert haben. Nach ner Kaffeepause ziehen wir noch mal los. Wir müssen dumpen (die Tanks sind voll, aber noch nicht randvoll), brauchen noch ein bisschen Bargeld und wollen uns mal einen Überblick von oben schaffen. Soll heißen, wir fahren durch den Ort und nehmen den Mt. View Drive, klingt vielversprechend und so haben wir kurze Zeit später ein paar Bilder im Kasten.

Zurück am Homer Spit parken wir den Wagen und laufen ein wenig über den Boardwalk, bevor wir uns am Boardwalk Fish & Chips selbiges gönnen.

Gegen 21.00h sind wir zurück auf unserer Campsite und lassen den Rest des Abends ausklingen, duschen und packen unsere Sachen und das Fotogeraffel für die morgige Tour - Akkus sind natürlich auch alle voll ?

Ja, morgen kommt unser Highlight, wir werden in den Katmai Nationalpark ausgeflogen und werden dort eine Nacht in einem Basic-Camp verbringen. Los geht es bereits um 6.30h und so sind wir auch rechtzeitig in der Waagerechten.

Gefahrene Kilometer: 345 km                                                                              Homer Spit Campsite

23. Juni 2017 - Bären Tour zum Hallo Bay Camp - Katmai NP

Wie geplant früh, sind wir auf den Beinen. Nachdem wir die Ausrüstung noch mal gecheckt haben und die restlichen Sachen in eine einzelne, kleine Tasche verstaut haben, frühstücken wir ganz gemütlich und ausgiebig, wissen wir ja schließlich nicht, wann wir im Laufe des Tages wieder was auf die Gabel bekomme.

Gegen 6.15h fahren wir los und da der Weg nicht weit ist, sind wir überpünktlich im Office vom Hallo Bay Bear Camp. Wir werden noch mal gewogen, die Formalitäten werden gecheckt und wir bekommen passende Gummistiefel für die Tour verpasst. So ausgerüstet, werden wir mit unserem Gepäck zum Flugplatz gebracht. Unsere Autos können bis morgen hier vor der Tür stehen bleiben, kein Problem und so kann das Abenteuer beginnen.

Die kleine Maschine wird mit unserem Geraffel beladen, die Plätze werden ausgewogen verteilt und so hebt die Büxe um 7.10h vom Boden ab. Leider ist das Wetter nicht ganz so dolle, dennoch können wir den Homer Spit und auch unsere Campsite gut sehen. Eine gute Stunde wird unser Flug zum Katmai Nationalpark, bzw. zur Hallo Bay dauern. Wir rumpeln durch die Wolken und haben oberhalb schöne Sicht, müssen aber irgendwann wieder durch die Suppe und sehen dann bereits den Nationalpark. An der Küste entlang fliegen wir, bis wir das Camp sehen, dann einmal drüber hinweg und dann landen wir auf dem Strand. Da gerade Ebbe ist, ist das kein Problem und nur wenig später stehen wir mit unseren Sachen im Camp, hinter dem Elektrozaun… und dass der nicht umsonst angebracht ist, werden wir heute Abend noch erfahren. Wir bekommen unsere Zelte zugewiesen und machen uns dann mit Lance, dem Campmanager, auf zu ner kleinen Erkundungstour am Strand entlang. Da wir noch nicht komplett sind, müssen wir noch auf weitere Gäste warten und so nutzen wir die 2 Stunden bis dahin bestmöglich.               Wir haben Glück, denn bereits jetzt sind die ersten Bären am Strand. Eine Mutter mit drei Jungtieren, die gar nicht mehr so jung sind. Allerdings toben sie nicht weniger übermütig rum, so dass wir sie ausgiebig beobachten können. Zum Fotografieren ist das Licht leider nur mäßig, aber wir scheinen auch hier Glück zu haben, denn es reißt immer mehr auf. Lance wünscht sich und uns auf dem Rückweg noch einen Wolf… und als ob er es geahnt hätte, es taucht tatsächlich einer auf. Nimmt zunächst das Camp in Augenschein und verschwindet dann in der Dünenlandschaft. Da in der Zwischenzeit eine Bärin mit nur vier Monate alten Jungen zum Strand gekommen ist, liegt die Vermutung nahe, dass der Wolf da mal ein Auge drauf wirft. Zwischenzeitlich sogar mit Verstärkung, passiert aber nicht wirklich was (worüber jetzt keiner böse ist) und so verschwinden die Wölfe wieder in der Landschaft hinter dem Strand. Wir setzten unseren Weg zurück ins Camp fort, als Lance plötzlich Anweisung gibt… der Wolf ist zurück und steuert genau auf uns zu. Mulmig und zugleich mega gespannd, folgen wir den Anweisungen, nehmen die Rucksäcke runter und setzen uns zusammen in einem Kreis, so dass der Wolf keine Angriffsfläche findet und uns als großes Gesamtes wahrnimmt. Der Wolf aber bleibt extrem cool und läuft, nur wenige Meter von uns entfernt, ganz lässig vorbei. Wow, besser hätte der Einstieg für diese Tour nicht sein können. Jetzt müssen wir aber vom Strand, da die Maschine mit den nächsten Gästen an Bord im Landeanflug ist.

Als die neuen sich sortiert haben, ist es Zeit aufzubrechen. Am Strand selber sind keine Bären zu sehen, aber Lance kennt sich ja bestens aus und so laufen wir ein gutes Stück, müssen durch ein Wäldchen (liebevoll Moskito Busch genannt) und kommen auf der anderen Seite des Inlets wieder raus. Von hier sieht man schon, dass in einiger Entfernung, Bären am Stand sind, die nach Muscheln suchen. Wir machen es uns erst mal bequem und genießen die Szene und unser Lunchpaket… typisch amerikanisch, gibt’s ein Sandwich mit Erdnussbutter und Marmelade, dazu Süßigkeiten und ein bisschen Obst, also reichlich süß.

Die Bären verlassen den Strand und auch wir verlagern uns und nehmen Stellung an einer nahe gelegenen Wiese. Nach und nach kommen alle Akteure wieder zum Vorschein. Die Bärin mit den älteren Kleinen und später auch die mit den ganz kleinen Kiddies. Wir haben alle einen total entspannten Tag und genießen es in vollen Zügen, anders kann man es nicht beschreiben.

Irgendwann aber machen wir uns auf den Rückweg zum Camp, so langsam meldet sich auch das kleine Hüngerchen. Das Essen im Camp ist reichlich, wenn auch der spartanischen Gegebenheit geschuldet, eher einfach, aber Nudeln mit Bolo geht halt auch immer. Nach dem Essen sortieren wir uns gleich wieder, Akkus werden gewechselt, die Klamottenfrage überarbeitet und dann stehen wir wieder in unseren Gummistiefeln am Strand. Selber Weg, selben Moskitos im Busch und wieder geht’s zu der großen Wiese (Meadows im englischen hört sich viel gewaltiger an). Und wir haben nicht nur Glück mit dem Wetter, dass sich ja bereits heute Vormittag dazu entschlossen hat, mitzuspielen, nein auch die Bären spielen wieder mit und wir haben bei tollem Licht unendlich viel Zeit, alles in uns aufzusaugen, bevor wir das letzte Mal durch den Mückenwald laufen. Als wir den Strand erreichen, erreicht uns der Funkspruch unserer Campfee, dass ein Bär am Camp ist nun wissen wir auch, dass so ein Elektrozaun unbedingt notwendig ist. Wir beschließen den Abend völlig ohne Schlummitrunk, dafür aber mit netten Gesprächen und völlig geflasht von den heutigen Erlebnissen. Unsere Bedenken, in den Zelten und bei nicht schwindendem Licht, wenig schlafen zu können, lösen sich sozusagen angenehmer Erschöpfung über das erlebte auf. Hinzu kommt allerdings, dass es so kalt ist, dass man sich schon komplett in den Schlafsack einmummeln muss, um nicht zu erfrieren (jaja, ein bisschen übertrieben).

Was war das für ein mega toller und rundum gelungener Tag. An den werden wir wohl noch lange denken.

Gefahrene Kilometer: ganz wenig                                                                           Hallo Bay Bear Camp

24. Juni 2017 - von Homer Richtung Seward 

Boahhh, war das schattig in der Nacht, nur gut, dass wir die Skiunterwäsche drunter haben. So und auch mit Mütze und Schal im Schlafsack eingemummelt, vernehme ich irgendwann am Morgen eine Stimme, eine die singt, eine die mir bekannt vorkommt…     au weia, es ist der Wecker. Spätestens jetzt kennt jeder Bär ums Camp mein Handy-Wecklied.

Ein letztes gemeinsames Frühstück und dann ist für uns packen angesagt. Die Maschine ist bereits auf dem Weg und da wir gestern die ersten waren, die eingeflogen wurden, sind wir auch die ersten, die wieder ausgeflogen werden. Bleibt für die anderen zu hoffen, dass sie in den zwei Stunden genau so viel Glück haben werden, wie wir gestern Morgen.

Wir verabschieden uns von Lance und den anderen und schon holpert die Maschine, bis zum Abheben, über den Strand. Im Gegensatz zu gestern Morgen ist das Wetter heute bombe, so dass wir eine tolle Sicht auf den Katmai Nationalpark und die Gletscher haben. Die gute Stunde Rückflug vergeht daher auch ziemlich schnell und so landen wir dann gegen 10.00h wieder in Homer.

Bevor wir Homer endgültig verlassen, schauen wir noch ins Visitor Center rein und lassen uns dort eine Bootstour in Seward für morgen Vormittag buchen. Geht ganz easy, wenn‘s auch ein bisschen dauert. Susi und Michael brechen dann nach Kenai auf, da wir dort aber bereits waren, verabreden wir uns für heute Nachmittag auf einem der Campgrounds, die kurz vor Seward auf dem Weg liegen. Noch schnell getankt und ein paar Lebensmittel aufgefrischt und dann los.

Wir können es uns nicht verkneifen, noch mal die Adler am Anchor Point zu besuchen. Allerdings sind gerade keine Fischer hier und daher auch nicht so viel Action. Wir fahren daher gemütlich über den Sterling Highway zurück bis zum Abzweig auf die Silak Lake Road, dort sehen wir uns zwar ne Campsite an, aber die ist uns noch zu weit vom Ziel entfernt. In Cooper Landing trifft uns fast der Schlag, waren auf dem Hinweg schon viele Angler unterwegs, so sind es jetzt unzählbar viele und alle stehen im Fluss und angeln… und holen reihenweise was raus – muss man gesehen haben.

Wir biegen irgendwann auf den Seward Highway ab und halten von dort an die Augen nach einer geeigneten Campsite auf. Geeignet wären sie alle, aber voll sind sie auch alle. Es ist Samstag und irgendwie sind alle Einheimischen unterwegs. Selbst auf dem Trail River CG, mit 90 Plätzen ist nichts frei. Wir hinterlassen eine Nachricht für die anderen beiden und fahren weiter. Ungefähr 17 Meilen vor Seward kommt die letzte Chance, der kleine Primrose USFS Campground, aber mit nur 7 Plätzen… keine Chance. Dennoch bleiben wir, denn am See gibt’s nen großen Parkplatz und wir haben das Gefühl, dass es niemanden stören wird, wenn wir hier übernachten. Bis die anderen eintrudeln, wollen wir noch ein Stück laufenn, aber da direkt am Trailhead der Warnhinweis hängt, dass es aktuell Bären hier gibt, lasssen wir es lieber und vertrödeln die Zeit bis zum Essen am See. Da wir hier keine Grillmöglichkeit haben und bei dem Wind nicht wild feuern wollen, gibt’s heute mal nen Eintopf, auch sehr lecker.

Irgendwann sind auch Susi und Michael da (das mit der Nachricht hat prima geklappt) und so lassen wir, immer noch völlig beeindruckt von der Bären-Tour, den Abend mit nem Schlummitrunk ausklingen. Gegen Mitternacht sind wir dann in der Waagerechten, diesmal auch wieder schön warm.

Gefahrene Kilometer: 269 km                                                                             Primrose USFS Campground

25. Juni 2017 - Seward - Bootstour mit Kenai Fjords

Gaaanz gemütlich starten wir den Tag am See. Für heute haben wir eine Bootstour geplant, da die aber erst gegen 11.30h startet, haben wir keine Eile. Gegen 9.30h fahren wir die paar Kilometer von unserem Übernachtungsplatz nach Seward. Dort lassen wir uns kurz bei Kenai Fjords blicken und greifen unsere Voucher für die Tour ab. Die Autos können wir, ein paar Kilometer weiter, auf dem großen Parkplatz von Kenai parken und da von dort ein Shuttle zurück angeboten wird, nutzen wir diesen. Die Wartezeit bis zur Abfahrt vergeht ziemlich schnell, das Wetter ist heute toll, trotzdem haben wir nicht auf die Skiunterwäsche verzichten wollen. Bereits ums kurz vor 11.00h startet unsere Tour und wir verlassen Seward und die Resurrection Bay. Zunächst tuckern wir gemütlich an der Küste entlang, währenddessen werden die Lunchpakete verteilt und die Sicherheitseinweisung gemacht. Dann erhöht sich die Geschwindigkeit und wir fahren Richtung Aialik Cape. Von dort biegen wir Richtung Aialik Glacier ab, unserem Ziel, bzw. Point of Return. Wir sehen nicht nur Seeadler, Robben und sogar Puffins, nein es gibt sogar einen Wal. Leider zeigt dieser im Moment nur seinen Rücken und die Fluke. Dennoch sehr beeindruckend. Noch beeindruckender ist dann der Aialik Gletscher, den wir nach knapp 3 Stunden Fahrt erreichen. Über eine Stunde halten wir uns in seiner Nähe auf, in der Hoffnung, dass er kalbt, doch er tut uns den Gefallen nicht. Das wirkliche Drama spielt sich aber im Verborgenen ab, denn was wir nicht mitbekommen, ist dass das Schwesterschiff mit Motorschaden vor dem Gletscher herumeiert. Mit nur noch einer funktionierenden Maschine entschließt sich unser Käpt’n, das andere Schiff längsseits zu nehmen und ein Stück aus der Gefahrenzone zu schleppen. Eigentlich ganz spannend, aber irgendwie auch unprofessionell, denn auch der Crew ist deutlich anzumerken, dass das kein gewöhnliches Manöver ist. Leider verlieren wir bei dieser Aktion so was von viel Zeit, dass nachdem wir das andere Schiff wieder losmachen, wir nur noch mit Volldampf zurück in den Hafen können.  Zur Erklärung sei gesagt, dass wir Gäste an Bord haben, die nur eine Möglichkeit haben, Seward mit der Bahn zu verlassen und die wartet nicht und fährt um Punkt 18.00h los. Mir fallen in diesem Moment nur die Worte meiner Kollegin ein, die sie in so einer Situation gerne benutzt: "was stimmt mit dem nicht"... Hätten wir diesen Umstand gekannt, hätten wir uns sicher für eine andere Tour entschieden, so aber können wir uns nur ärgern, denn am Horizont sieht man Wale springen, die wir nur zu gerne aus der Nähe gesehen hätten, dafür ist jetzt aber keine Zeit mehr.  Zusammen mit dem älteren Hobby-Fotografenpaar aus Ostwestfalen haben wir dennoch eine unterhaltsame und sehr lustige Fahrt zurück. Nach 7 Stunden an Bord sind um 17.40h die Leinen wieder fest und wir können von Bord. Ich kann mir in diesem Fall aber echt nicht verkneifen, meinen Unmut kund zu tun und so nehme ich mal vorweg, dass wir (wenn wir wieder zu Hause sind) tatsächlich aus Kulanz für die verpatzte Rückfahrt 20% des Preises zurückbekommen.

Wir shuttlen zurück zum Auto und suchen uns jetzt erstmal einen Platz zum Übernachten in Seward. Gar nicht so einfach. Es gibt zwar ganz viele, aber es ist auch ziemlich voll. So entscheiden wir uns schlussendlich für zwei Plätze auf dem Iditarod Overflow. Zwar direkt an der Straße, aber auch direkt am Wasser und so sind wir gar nicht unzufrieden mit unserer Wahl.

Nach nem kleinen Anleger, zockeln wir noch mal zu Fuß zum Hafen, wollen wir doch noch mal nach Ottern Ausschau halten. Der Weg zieht sich nicht nur, nein es gibt auch ziemlich viel zu sehen, steht hier ja WoMo an WoMo in allen Formen und Farben. Einzig die Otter bekommen wir nicht wirklich vor die Linse. Zurück am Camper machen wir in dem Picknick-Shelter den Grill an und sehen zu, dass wir mal was auf die Gabel bekommen. Es ist schon wieder weit nach 21.00h, aber auch nicht wirklich schlimm. Wir lassen die heutige Tour noch mal Revue passieren und sind irgendwann in den Federn.

Gefahrene Kilometer: 38 km                                                                               Iditarod Overflow - Seward

26. Juni 2017 - es geht Richtung Valdez - Gletscher Tag

Was haben wir nur gestern wieder für ein Glück mit dem Wetter gehabt. Es ist heute Morgen ziemlich diesig, die Luft ist schwer und voller Feuchtigkeit. Es regnet zwar nicht direkt, aber es fühlt sich ein bisschen so an. Bevor wir Seward gegen 8.30h verlassen, machen wir noch mal die Abwassertanks leer. Unsere Fahrt geht zunächst zum Exit Gletscher, wo wir in ein paar Schritten (ein paar mehr waren es schon) zum unteren Gletscher laufen. So richtig ran darf man nur geführt, dazu haben wir aber weder Lust noch Zeit und so fahren wir gegen 10.30h weiter. Der Weg führt uns wieder vorbei am Turnagain Arm, doch auch heute ist das Wetter nicht so berauschend, so dass wir uns unzählige Stopps sparen. In Anchorage nutzen wir die Gelegenheit und tanken den Wagen noch mal voll, bevor wir, bei zunehmendem Sonnenschein, einen spontanen Stopp in Eklutna machen. Auf dem Hinweg haben wir die Spirit Houses wegen des Wetters ausgelassen, jetzt ist es perfekt dafür und so sehen wir uns sowohl die St. Nicholas Orthodox Church, als auch die Grabhäuschen an. Beeindruckend und ziemlich farbenfroh, sind wir uns einig, dass das ein guter Abstecher war.

Kurz vor Palmer biegen wir rechts ab, bleiben aber auf dem Glenn Highway und fahren Richtung Glennallen. Wie weit wir kommen werden hängt ein bisschen davon ab, ob wir den Matanuska Gletscher besuchen, das wollen wir aber erst entscheiden, wenn wir dort sind. Der Glenn Hwy ist landschaftlich extrem schön und so sind wir froh, dass wir nicht mit der Fähre von Whittier nach Valdez gefahren sind (wäre ne Alternative gewesen)

Da sich die Sonne gerade wieder von ihrer besten Seite zeigt, beschließen wir gegen 15.45h ne Kaffee Pause am Long Lake einzulegen, bevor wir weiter zum Glacier View fahren. Dort angekommen zieht es sich zwar langsam zu, dennoch beschließen wir, dem Matanuska Gletscher einen Besuch abzustatten. Wir fahren runter, entrichten den Eintrittspreis (der nicht ohne ist) und rumpeln ein ganzes Stück Gravelroad bis zum Parkplatz. Von hier läuft man bis zum Fuß des Gletschers, allerdings auf eigene Gefahr. Es ist schlammig, rutschig und natürlich auch eisig und glatt. Das hält uns allerdings nicht davon ab, die nächsten 1½ Stunden hier rum zu klettern. Zugegeben spät, sind wir gegen 19.30h erst wieder auf dem Highway und suchen uns nun eine Stelle zum Übernachten. Da Susi und Michael heute auf anderen Pfaden unterwegs sind, brauchen wir uns nicht absprechen und so fällt unsere Wahl auf einen kleinen Platz am Fluss, einer ehemaligen State Recreaction Site am Little Nelchina.

Schnell ist ein nettes Plätzchen am Fluss gefunden und der Ofen angeheizt. Dem Wetter entsprechend wird heute mal nicht gegrillt, sondern der Ofen mit einem Auflauf bestückt. Bis der soweit ist, sitzen wir am Fluss und genießen die Gegend.

Morgen geht’s dann nach Valdez und wir hoffen sehr, dass auch diesmal das Wetter auf unserer Seite sein wird, denn im Moment sieht es nicht so aus.

Gefahrene Kilometer: 428,6km                                                                                     Former Little Nelchina State Recreaction Site

27. Juni 2017 - jetzt aber: auf nach Valdez

Schade, aber es war zu befürchten, in der Nacht hat es angefangen zu regnen und es regnet auch am Morgen immer noch, so dass das Frühstück am Fluss ausfällt. Panncakes gibt’s aber trotzdem und so sind wir, gut gestärkt, bald wieder auf dem Glenn Highway unterwegs. Der Hightway geht bis Glennallen schnurstracks Richtung Wrangell Mountains, die liegen zwar in Wolken, sind aber dennoch beeindruckend. Nachdem wir in Glennallen getankt haben, biegen wir ab, auf den Richardson Highway. Hier begleitet uns dann auch wieder die Tans Alaska Pipeline, die wir ja bereits im oberen Bereich (von Delta Junction kommend) gesehen haben.

Außer ein paar Stopps verläuft die Fahrt Richtung Valdez ziemlich ruhig. Erst gegen 12.30h legen wir einen Zwischenstopp am Worthington Gletscher ein. Hier treffen wir auch die anderen beiden wieder. Den Fuß des Gletschers kann man relativ einfach zu Fuß erreichen und erkunden und so turnen wir die nächste Stunde hier rum, bevor wir weiterfahren. Wir erreichen etwas später nicht nur den Thompson Pass, sondern auch die Wetterscheide, denn auch wenn sich das Wetter bis hier noch einigermaßen gehalten hat, so wird es jetzt ungemütlich. Nicht umsonst wird Valdez als Wetterloch bezeichnet (und das hört sich ja per se schon nicht so dolle an). Die auf dem Weg befindlichen Wasserfälle werden daher bei strömendem Regen nur aus dem Auto heraus fotografiert.

Es ist kurz vor 15.00h, als wir Valdez im Nieselregen erreichen und da wir noch nicht wissen, wo wir die Nacht verbringen werden, halten wir zunächst Ausschau nach einer Campsite. Susi’s und Michaels Wahl fällt auf den Glacier Campground, außerhalb von Valdez, da dieser uns zu weit ab und zu dunkel ist, entscheiden wir uns wenig später für eine ganz einfache Alternative. Zunächst aber fahren wir nach Valdez rein, cruisen einmal durch den Ort, sehen uns ein paar Campsites an und versuchen dann noch nen Platz für die morgige Bootstour auf der LuLu Belle zu ergattern. Wir haben Glück, die letzten 4 Plätze sind dann unsere. Während die anderen noch Geld besorgen, bezahlen wir unsere Plätze schon mal und entscheiden uns dabei gleich dafür, hier auf dem kleinen Platz am Office der LuLu Belle zu campieren. Es gibt Strom und Wifi inklusive und so brauchen wir, weder heute Abend, noch morgen früh, den Wagen groß bewegen. Allerdings fahren wir noch mal bis zur Waterfront, parken dort rückwärts ein und können so, trotz des Wetter, die Aussicht genießen (welche Aussicht)

Als der Regen nachlässt, laufen wir noch mal die Straßen auf und ab, können uns aber für keine Lokalität so richtig entscheiden und beschließen dann, den Wagen für die Nacht zu parken und selber was zu kochen. Es gibt nen deftigen Eintopf, der irgendwie auch zu dem Wetter passt. Da wir das erste Mal so richtig Strom haben, nutzen wir die Gelegenheit zum Laden der Akkus und Bilder sichern. So geht auch bei diesem Wetter der Abend schnell rum.

Gefahrene Kilometer: 307,2km                                                                               LuLu Belle RV Park ?

28. Juni 2017 - Tagesausflug mit der LuLu Belle 

Wir staunen, es ist tatsächlich trocken, wenn auch bewölkt und so zockeln wir bereits gegen 9.00h mit all unserem Geraffel los. Den Wagen können wir ja stehen lassen und vielleicht schaffen wir noch ne Runde durch’s Museum, denn die LuLu Belle legt ja erst um 11.00h ab. Irgendwie bekommen wir die Zeit bis dahin auch so vertrödelt, was der Sache aber keinen Abbruch tut. Im Gegensatz zu der Kenai Fjord Tour, ist die LuLu Belle klein und die Mannschaft familiär. Käptain Fred, der Chef ist gleichzeitig der Skipper und irgendwie auch der geborene Entertainer, so dass wir den ganzen Tag ziemlich viel Spaß an seinen ausführlichen Beschreibungen haben werden. Auch die Crew ist wie Familie und wird nicht nur die Augen, nach allem, was uns interessieren könnte, aufhalten, sondern auch für unser leibliches Wohl sorgen. Zunächst aber verlassen wir den Hafen und werden dabei auf den niedrigen Wasserstand hingewiesen. Es ist tatsächlich ein ziemlicher Unterschied, den man aus unseren Breitengraden nicht kennt. Wir fahren vorbei an der großen Raffinerie und bereits hier haben wir das erste Highlight. Unzählig viele Seeotter treiben in der Bucht. Da sie zum Teil noch schlafen, versucht der Skipper sich vorsichtig zu nähern, ohne sie groß zu stören. Da ihm das einigermaßen gut gelingt, gelingen uns auch ein paar gute Bilder. Wir können den Fischer bei ihrer Arbeit zusehen und fahren weiter aus dem Valdez Arm heraus. Es gibt herrliche Landschaft, Wasserfälle und immer wieder was Tierisches zu sehen. Auch die Sonne lässt sich jetzt durch die Wolken blicken, es bleibt allerdings auch echt kalt, so dass die dicken Sachen unumgänglich sind. Vorbei an großen Seelöwen Kolonien und auch Puffins nehmen wir Kurs auf den Columbia Gletscher. Da die LuLu Belle ziemlich robust ist, können wir ziemlich nah ran. Skipper Fred allerdings kennt auch den besten Weg und so stehen wir gegen 15.00h vor dem riesigen Gletscher. Nachdem die obligatorischen Fotos gemacht wurden und wir ne ganze Weile vergeblich auf ein größeres kalben des Gletschers gewartet haben, geht’s wieder zurück nach Valdez. Da bei den meisten Gästen, bei uns ganz besonders, noch Wale auf der Wunschliste stehen, versucht Skipper Fred mit seinem Team das Beste, um welche zu sichten. Wer uns aber kennt, weiß, dass wir bei Walen nicht das glücklichste Händchen besitzen und so wird auch diesmal nichts daraus. Die Tour selber aber ist sowas von toll und unterhaltsam, dass es gar nicht ins Gewicht fällt.

Als wir gegen 18.30h wieder in den Hafen zurückkommen, können wir nun auch den gewaltigen Tiedenhub gut erkennen. Beim Verlassen der LuLu Belle verabschiedet sich der Käpt’n persönlich von jedem seiner Gäste, das ist echt einmalig.

Während Susi und Michael schon mal vorfahren, holen wir noch unseren Wagen und fahren zum vereinbaren Treffpunkt. Auf dem Weg nach Valdez haben wir uns bereits den Blueberry Lake State Park CG angesehen und dort fahren wir jetzt noch hin. Da wir keine weitere Nacht in Valdez verbringen möchten, sind die knapp 50 Kilometer dorthin nicht der Rede wert.

Außerdem ist es trocken, wenn auch schattig, so dass wir endlich mal wieder Feuer machen wollen… und so ist dann der Burger gegen 21.00h auf dem Teller, allerdings im Camper, denn irgendwie haben wir heute über Tag genug kalt gehabt.

Gegen 23.00h geht’s dann auch in die warmen Betten, denn die Nähe zum Thompson Pass ist Temperatur mäßig gut zu spüren.

Gefahrene Kilometer: 47 km                                                                             Blueberry Lake State Park CG

29. Juni 2017 - Höllenritt auf dem Tok Cutoff 

Mit draußen frühstücken wird heute auch nichts. Es ist uns einfach viel zu kalt. Aber egal, dafür haben wir ja den kuscheligen Camper und so nutzen wir diesen bis zur Abfahrt.

Da wir auf dem Hinweg alles abgegrast haben, halten wir das erste Mal erst gegen 11.00h, am Willow Lake Viewpoint, gerade als sich die Wolkendecke hebt und einen schönen Blick auf die Wrangell Mountains zulässt. Dann noch einen kurzen Abstecher zum Wrangell-St. Elias NP Visitor Center und schon sind wir wieder in Glennallen. Hier tanken wir gleich noch mal bevor wir gegen 12.00h weiter Richtung Norden fahren, um wenig später an der Gakona Junction auf den Tok Cutoff abzubiegen. Alternativ hätten wir den Richardson Hwy bis Delta Junction weiterfahren können, aber da wir diese Strecke ja schon kennen, ist der Tok Cutoff irgendwie Pflicht. Wir wissen auch, dass die Piste nix für Sissies ist (obwohl wir ja nicht in Afrika sind ?) aber die nächste 200 Kilometer haben es echt in sich. Der Asphalt ist stellenweise so schlecht und die Dips so tief, dass manches Mal nur noch eine Vollbremsung hilft. Immer muss man die Augen auf der Straße und bei den Potholes haben. Kein gemütliches dahincruisen mit Tempomat so haben wir auch nicht übermäßig viel Muße, an jeder Ecke anzuhalten und fahren bis Tok durch, wo wir so gegen 15.30h ankommen. Wir nutzen die Gelegenheit zum Dumpen und Tanken, bevor wir in den ‘All Alaska Gifts‘ Laden gehen. Eigentlich wollten wir ja doch noch ein paar Souvis mitbringen, aber irgendwie stellt sich kein Kaufrausch ein. Auch ist die obere Etage nichts für schwache Gemüter, denn hier wird alles verkauft, was nicht bei 3 auf den Bäumen war. Soll heißen, Felle über Felle, von Kaninchen, über Wolf bis hin zum Bären. Und auch die dazu gehörenden Fallen kann man hier für schlappe 800$ käuflich erwerben. Wir werden uns nie daran gewöhnen, dass die Amis alles abschießen müssen und der ‘Beruf‘ Trapper immer noch so beliebt ist. Wir haben genug gesehen, nichts gekauft und fahren weiter.

Von nun an geht’s, über den legendären Alaska Highway, Richtung kanadische Grenze, bzw. zurück in den Yukon. Soweit allerdings werden wir es heute nicht mehr schaffen und so suchen wir uns ein Plätzchen zum Übernachten. Zunächst nehmen wir den Lakeview CG am Yarker Lake in Augenschein, entscheiden uns aber, noch ein paar Meilen weiter zu fahren und landen schließlich am Deadman Lake Campground. Dieser liegt im Tetlin National Refuge, hat große und sehr schöne Campsites und ist z.T. direkt am Wasser.

Es ist bereits 19.45h als die Autos stehen und so brennt nur wenig später bereits das Feuer. In Rekordzeit ist gegen 20.15h das Essen auf dem Tisch. Den Rest des Abends klönen wir und überlegen, wie es weitergeht. Eigentlich steht die Entscheidung, nicht bis Haines zu fahren, um von dort mit der Fähre nach Skagway überzusetzen, schon fest. Das wird alles viel zu stressig, also werden wir wahrscheinlich morgen nur bis kurz vor Haines Junction fahren, um den Tag darauf Richtung Whitehorse abzubiegen. Man kann jetzt schon klar erkennen, dass die letzten Tage anbrechen. Morgen werden wir auch wieder in den Yukon einreisen… aber erst morgen.

Gefahrene Kilometer: 476,6 km                                                                                 Deadman Lake Campground (MP1249.3 Alaska Hwy.)

30. Juni 2017 - über den Alaska Highway zurück in den Yukon

Wow, seit gefühlt einer Ewigkeit ist es mal wieder schön und warm, so dass wir draußen frühstücken können. Mit Blick auf den See wird das zum echten Genuss und so trödeln wir bis 9.45h und setzen uns erst dann in Bewegung. Unser heutiges Ziel wird irgendwo um Haines Junction herum sein, wo genau, werden wir kurzfristig entscheiden. Wir fahren zwar nicht gemeinsam los, treffen uns aber über Tag immer mal wieder.

Unseren ersten Stopp legen wir am Tetlin National Wildlife Refuge Visitor Center ein, nur um festzustellen, dass es geschlossen ist. Einen schönen Aus- und Rundumblick hat mal aber dennoch. Wir fahren weiter und kommen kurz darauf in den Sichtbereich von Port Alcan, der amerikanischen Grenzstation zwischen Alaska und dem Yukon. Wurde bei der Einreise nach Alaska alles auf links gedreht, so interessiert es hier niemanden, besser noch, die Grenzstation ist auf unserer Seite gar nicht besetzt und so fahren wir weiter nach Beaver Creek, der kanadischen Grenzstation. Hier werden ein paar Dinge abgefragt und nen schönen Canada Day gewünscht (morgen ist kanadischer Nationalfeiertag und da wird natürlich schon mal drauf hingewiesen) Bevor wir Beaver Creek verlassen, machen wir noch ein Bild vom alten Grenzhäuschen und stellen unsere Uhren eine Stunde vor, so dass wir aktuell 12.30h haben. Wir halten dann noch am Pickhandle Lake, bevor wir bis zur Destruction Bay durchfahren und uns dort umsehen. Die Kaffeepause dort verschieben wir aber und fahren weiter bis zum Congdon Creek Yukon Government Campground. Nachdem wir uns einen Überblick verschafft haben, steht fest, dass wir hierbleiben.

Es ist bereits 16.30h, als auch Susi und Michael eintrudeln und somit Zeit für eine ausgiebige Kaffeepause. Anschließend wollen wir noch mal ein Stück laufen, aber wegen der hohen Bärenaktivität vor Ort, bleiben wir im Dunstbereich des Campground, bzw. erkunden mal den anderen Loop des Platzes, der schon länger nicht mehr in Betrieb zu sein scheint. Bevor wir loslaufen, setzten wir nen dicken Eintopf an, so dass wir bei unserer Rückkehr gleich was auf den Teller bekommen. Zurück sind wir gegen 20.00h, können es uns aber nicht verkneifen, nach dem Essen noch mal los zu fahren, schließlich haben wir vorhin nen Tipp bekommen, dass am Abend eigentlich immer Bären am Highway sind. So auch heute und so brauchen wir gar nicht weit fahren, bis wir nen Blümchen-Bären vor der Linse haben. Wir fahren zwar den Hwy noch mal auf und ab, denn es soll auch Nachwuchs in der Gegend geben, aber damit haben wir kein Glück – egal, wir sind auch so happy ?

Gegen 22.00h sind wir zurück und machen noch mal Feuer, brutzeln ein paar Marshmallows und genießen nen Schlummitrunk. Auch Bilder vom dramatischen Abendhimmel werden noch gemacht, bevor wir gegen 0.00h in den Federn verschwinden.

Gefahrene Kilometer: 315,4 km                                                                         Congdon Creek Yukon Government CG

1. Juli 2017 - der Kreis schließt sich, aber wir fahren weiter nach Carcross

Ziemlich zeitig sind wir auf den Beinen und bereits um kurz nach 8.00h verlassen wir den Congdon Creek CG. Unser geplanter erster Stopp muss allerdings ausfallen, da das Tachal Dhal Visitor Center erst um 9.00h öffnet. So fahren wir weiter, bis zu den Ruinen von Silver City. Bis auf ein paar Ruinen steht hier aber wirklich nicht mehr viel und so fahren wir auch hier nach einem kurzen Stopp weiter.

Wir genießen die Landschaft am Alaska Highway, haben auch noch mal nen Elch direkt an der Straße und kommen gegen 10.00h in Haines Junction an. Dort tanken wir, bevor wir dem Visitor Center ein Besuch abstatten. Sehr schön gemacht, da lohnt es sich auf jeden Fall mal rein zu gucken. Als wir hier gegen 11.00h weiterwollen, müssen wir am Hwy erst mal warten, da sich der Feiertags-Festzug formatiert. Heute ist ja Canada-Day und da finden diese Umzüge überall statt. Hat ein bisschen Karnevals Charakter, nur die Beflaggung ist anders ?

Ungefähr 30 Minuten, nachdem wir Haines Junction verlassen haben, kommen wir zu einer alten Holzbrücke, die ‘Historic Canyon Creek Bridge‘ und so nehmen wir Brücke und Fluss erst mal in Augenschein. Kurz überlegen wir, ob wir wenig später auf die Aishihik Road abbiegen, bei 117 km one-way ist uns das dann doch zu viel. Sollten wir mit mehr Zeit noch mal in die Gegend kommen, würden wir es einplanen. So aber fahren wir die knapp 1½ Stunden bis Whitehorse zurück. Hier allerdings gibt’s nur ein Stopover am Pferd, denn unser eigentliches Ziel heute soll Carcross werden. Zunächst aber halten wir am Emerald Lake. Das Wetter könnte besser sein, damit die Farben besser zur Geltung kommen, schön ist’s dennoch. Genauso ist es bei Carcross Desert, denn der nasse Sand und der bedeckte Himmel lassen das ganze eher wie einen verwaisten Sandkasten erscheinen. Wobei verwaist das falsche Wort ist, denn hier wird wie wahnsinnig mit Quads durch die Dünen gefahren, was nicht nur unschön aussieht, sondern auch Spuren ohne Ende hinterlässt. So fahren wir nach ein paar obligatorischen Fotos weiter nach Carcross. Touri Hochburg könnte man sagen, dennoch finden wir es gar nicht so schlecht. Hier fährt auch der Zug der White Pass & Yukon Route von Skagway nach Whitehorse vorbei und das mit ganz schön TamTam.

Nachdem wir alles gesehen haben, fahren wir ein Stück weiter bis zum Bove Island Viewpoint. Die Insel liegt im Windy Arm des Tagish Lake, genau wie unser heutiger Campground, der Conrad Yukon Government CG. Dieser, erst 2016 eröffnete Campground, liegt direkt oberhalb des Sees und nur wenige Meter von der ‘Conrad City Historical Site‘ entfernt. Klar, dass wir uns die ansehen, obwohl nicht mehr wirklich viel vorhanden ist.

Nachdem wir gegen 18.30h unseren kleinen Spaziergang beendet haben, werfen wir zum letzten Mal das Feuer an und grillen die letzten Burger Patties. Anschließend sichern wir noch mal die Bilder der letzten Tage und räumen schon mal das ein oder andere zusammen.

Unsere Zeit hier ist morgen zu Ende, dann geht’s zurück nach Whitehorse und morgen Abend bereits sitzen wir im Flieger.

Gefahrene Kilometer: 346,5 km                                                                           Conrad Yukon Government CG

2. Juli 2017 - zurück in Whitehorse und die Rückreise

Das Wetter ist ganz prima und so nehmen wir uns noch mal die Zeit, um draußen zu frühstücken. Anschließend beginnt das große räumen und verpacken. Gegen 9.30h sind wir aber soweit und fahren los. Weil es sich gerade anbietet, leeren wir in Carcross noch mal die Tanks, denn die müssen bei der Rückgabe des Fahrzeuges leer sein.

Auch am Emerald Lake halten wir noch mal, denn das Licht ist heute definitiv besser, als gestern. Dann geht’s zurück nach Whitehorse. Nachdem wir uns am Flughafen noch die Wetterfahne, die tatsächlich aus einem alten Flugzeug besteht, ansehen, geht’s zurück zur Autovermietung.

Professionell und zügig werden die Autos zurückgenommen. Dass ein paar Gläser die Reise nicht überstanden haben, stört niemanden und auch sonst sind wir total zufrieden mit dem Auto und Service von Fraserway und würden immer wieder darauf zurückkommen.

Zum Service gehört auch, dass wir die Taschen hierlassen können und mit einem Shuttle in die Stadt gebracht werden, denn bis zum Abflug haben wir ja noch endlos Zeit.

Und so stehen wir gegen 13.00h wieder in Whitehorse, wo unsere Reise vor 3 Wochen begann. Das Wetter ist besser als am Beginn der Reise, daher laufen wir bis zur SS Klondike und machen nochmal ein paar Bilder.

Da wir bereits jetzt wissen, dass unser Flieger Verspätung hat, gönnen wir uns auch noch was zum Lunch und so sitzen wir, wie auch am 1. Abend, wieder im Rib&Salmon.

Gegen 15.30h werden wir von Fraser wieder aufgegabelt, nehmen unser Gepäck und werden dann zum Flughafen gebracht. Beim Check-in noch mal ein bisschen Puls, denn das Handgepäck wird tatsächlich gewogen. Aber mit ein paar Tricks, können wir das ganze Fotogeraffel wie geplant mit an Bord nehmen.

Aus den ursprünglich 2 Stunden Verspätung ist dann nur eine geworden, so dass wir um 19.30h in Whitehorse abheben. Ein letzter Blick zurück auf die Stadt am Yukon und schon sind wir in den Wolken verschwunden.

Der Rest der Rückreise ist weder spektakulär, noch unterscheidet sie sich von anderen Reisen… Ankunft in Frankfurt am nächsten Mittag, Weiterfahrt mit dem ICE und irgendwann dann zu Hause. Wie immer, etwas surreal, nach so einer Reise. Es wird ne Weile dauern, bis man die ganze Tour realisiert. Sehr hilfreich ist dann auch immer das Verfassen eines Reiseberichtes ?

Fazit zur Reise

Beim Fazit direkt nach der Reise hätte ich mich wahrscheinlich schwergetan. Nachdem der Bericht geschrieben und die Bilder gesichtet sind kann ich, nein wir, sagen: es war ne tolle Tour. Vielleicht mit den 5.300h Kilometern ein bisschen ambitioniert gesteckt. Aber es wäre schwer gewesen, bei der ersten Tour was raus zu nehmen.

Ob wir wiederkommen werden? Da bin ich mir sicher. Allerdings mit einer wesentlich entspannteren Route und wahrscheinlich auch nur im Yukon… ?

Obwohl, Skagway und Haines fehlen ja noch und außerdem würden wir zu gerne die Bären in der Lachszeit sehen ?

So stay tuned ?

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